Begleitetes Wohnen für Menschen

mit- und ohne Behinderung (Suchtkranke)

“Erzgebirgshof Bethlehemstift“ Neudorf/ Erzg.

Unser Leitbild

 

I. Unsere Identität: Wer wir sind

Unsere Einrichtung liegt mitten in der Natur. Umgeben von Wald und Wiesen bietet der dörflich-familiäre Charakter ein ideales Umfeld, um Hilfe und Gemeinschaft sowie Ruhe und Geborgenheit zu erleben. Als Alternative zu einem Leben in unserer schnelllebigen und leistungsorientierten Gesellschaft stellen wir einen Experimentierraum für Menschen zur Verfügung, die einen Neuanfang ohne Suchtmittel suchen. Dabei ist es uns wichtig, die Originalität und Kreativität jedes Einzelnen als Ebenbild Gottes auf der Basis christlicher Nächstenliebe zu schützen und zu fördern.

Richtungsgebendes Handlungskriterium und Motivation ist dabei die Erfahrung der Liebe und Barmherzigkeit Gottes. Sie lehrt uns Achtung voreinander und Liebe zueinander, ermöglicht uns gegenseitige Annahme, gibt uns Geduld zur wechselseitigen Begleitung, lässt uns aufatmen und behütet uns.

II. Unsere Zielgruppen: Wem wir dienen

Ein Personenkreis, den wir im Rahmen das sog. „Begleitete Wohnen“ (8 Plätze) aufnehmen, sind Menschen mit seelischer Behinderung infolge Sucht. Die vielfältigen Krisen  unserer Zeit (Beziehungs-Krisen, Sinnkrisen, Lebenskrisen, Arbeitsplatzkrisen usw.)  bringen es mit sich, dass von Zeit zu Zeit die Suche nach neuer Orientierung notwendig wird.

Unser Nachsorgeangebot richtet sich an Menschen, die vor und/oder nach dem Konsum von Alkohol und Drogen verstärkt Nöte und Leid erleben und die spüren, dass sie Lebenshilfe und Veränderung benötigen. Die Dauer des Aufenthaltes kann sich zwischen zwei bis drei Wochen im Sinne einer kurzfristigen Krisenintervention bis hin zu mehreren Jahren im Sinne der Bereitstellung eines längerfristigen Zuhauses bewegen.

Für beide Personenkreise möchten wir auf dem Erzgebirgshof einen Ort zum Leben anbieten – wie es unser Slogan zum Ausdruck bringt.

Über diese beiden Zielgruppen hinaus bieten wir im Rahmen unserer Gästehausarbeit (ca. 70 Plätze) an, dass Gruppen aus Kirche und Gemeinde sowie aus der Suchtselbsthilfe zu Rüst- und Freizeiten zu uns kommen und dass ehemalige Bewohner Gemeinschaft erleben und Kraft tanken.

Unser Alltag ist davon geprägt, dass wir

  • Zeit füreinander haben,
  • miteinander planen und arbeiten, feiern und lachen,
  • in Konflikten versöhnlich miteinander umgehen,
  • einander tragen, in dem wir uns in Krisen auffangen,
  • mit- und füreinander beten,
  • Raum zur Entfaltung ermöglichen,
  • pragmatisch-unkonventionelle Wege bei der Zukunftsgestaltung   beschreiten und
  • gastfreundlich sind.

III. Unser Auftrag: Wozu wir da sind

Als diakonische Einrichtung mit erkennbar evangelischem Profil sehen wir unsere Aufgabe darin, Gottes Liebe in Wort und Tat weiterzugeben. In der Kommunikation des Evangeliums laden wir zum Glauben ein und bieten Anstöße für eine sinnvolle Lebensgestaltung. Wir möchten im Rahmen unserer Gemeinschaft eine Oase der Nächstenliebe sein, in der die Würde der uns anvertrauten Menschen geachtet, ihr Lebensmut gestärkt und ihre Ressourcen gefördert werden. Die uns anvertrauten Menschen können auf dem Erzgebirgshof Bethlehemstift ihre Begabungen entdecken und trainieren. Die Förderung ihrer Eigenständigkeit liegt uns am Herzen.

Als Salz der Erde und Licht der Welt bauen wir ihnen Brücken zur Teilhabe (Partizipation) an gesellschaftlichen Angeboten im Sinne ihrer Wiederein-gliederung (Inklusion). Lebensfreude neu zu wecken, Vielfalt gemeinsam zu entdecken, Andersartigkeit geduldig als Geschenk anzusehen und in der Gesellschaft sozialanwaltschaftlich für die Belange von Menschen einzu-treten – das sind die Kernanliegen unseres diakonischen Auftrags.

Der Förderansatz im Begleiteten Wohnen gliedert sich in drei Phasen:

Im ersten Zeitraum des Aufenthaltes auf dem Erzgebirgshof ist es uns wichtig, durch   Anteilnahme und Empathie, durch Trost und Zuwendung eine stabile und belastbare    Beziehung zwischen Bewohnern und Mitarbeitern herzustellen. In dieser Zeit des Beziehungsaufbaus wollen wir durch Verständnis und Mitgefühl als Ausdruck von Barmherzigkeit die Individualität der Lebensgeschichte jedes einzelnen achten und ihm durch Interesse und geschenkte Zeit einen Ort der Geborgenheit ermöglichen sowie Brücken in die Gemeinschaft erschließen. Durch praktizierte Nächstenliebe, z.B. in Form von Zuspruch und Aufbau von Motivation möchten wir sowohl die Einsicht in die notwendige Suchtmittelabstinenz als auch den Lebensmut und die Selbstverantwortung für den eigenen Genesungsprozess wecken und stärken.

In der zweiten Phase des Aufenthaltes legen wir besonderen Wert auf das gemeinsame Entdecken von Ressourcen und auf das Trainieren von Beziehungs- und Konfliktfähigkeit. Unter Mitwirkung des Bewohners, unter Achtung seiner Gaben und Grenzen werden   gemeinsam mit einer Bezugsbetreuung zunächst kurz- und mittelfristige Ziele entwickelt, die realistisch sind. Die Anleitung in den verschiedenen Bereichen der Tagesförderung (z.B. Töpferei, Garten, Küche, Landwirtschaft) ereignet sich in der Weise, dass die einzelnen einen Experimentierraum zur Steigerung ihrer Belastbarkeit erhalten und dabei durch Lob und Anerkennung, aber auch durch herausfordernde Rückmeldungen Stärken und Wachstumsbereiche für ihre ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung entdecken. In diesen Förderabschnitt fällt auch die seelsorglich-therapeutische Begleitung mit einer Thematisierung der Lebensabschnitte, in denen z.B. Verlusterfahrungen zu Enttäuschungen und daraus resultierend zu Abhängigkeitsverhalten geführt haben.

Die dritte Phase der Förderung ist gekennzeichnet durch die Auseinandersetzung mit der Frage, ob die Einzelnen einen längerfristigen Aufenthalt in der Einrichtung benötigen oder ob ein (Wieder-) Einstieg in die Eigenständigkeit möglich ist. Unter Mitwirkung des     Bewohners werden entsprechend der Leitziele zukunftsorientierte Schritte geplant, die sich sowohl auf eine geeignete Wohnform als auch auf Optionen für das Absolvieren einer Ausbildung oder der Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit beziehen. Dabei bieten wir im Rahmen des begleitenden Dienstes zum einen Unterstützung für die formalen und rechtlichen Aspekte an, zum anderen liegt uns auch die praktische Unterstützung beim Aufbau sozialer Kontakte (z.B. mit Suchtselbsthilfegruppen) und bei der konkreten Organisation und Durchführung des Umzugs am Herzen.

Je nach Zielgruppe und individuellen Ressourcen ergeben sich unterschiedliche Förderziele: 

Für Menschen mit Suchterkrankung ist die Rehabilitation Ziel der Arbeitsförderung.

Das Erlernen von Grundarbeitsfähigkeiten wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Teamarbeit und Belastbarkeit steht im Vordergrund. 

Zum Erreichen der Förderziele werden folgende Methoden eingesetzt:

  • Vermittlung von Kompetenzen: auf mündliche Weise, durch das Zeigen von Symbolen und durch das Zeigen einer Handlung;

     

  • System des Bezugsanleiters: nach anfänglich gemeinsamem Arbeiten werden im weiteren Verlauf verschiedene Arbeitsschritte vermehrt selbstständig ausgeführt;

     

  • strukturieren der Arbeitsabläufe: kleinschrittig je nach Verständnis- vermögen des Bewohners, wiederholen von Arbeitsschritten zur Steigerung des Verantwortungsgefühls.

Suchmittelabstinenz und Medikamente

a) Mit der Aufnahme auf dem Erzgebirgshof Bethlehemstift besteht die Verpflichtung zur Suchtmittelabstinenz (Alkohol, Medikamente, Drogen…). Vom Arzt verordnete Medikamente werden in der Regel abgegeben und von den Mitarbeitern entsprechend verabreicht.

b) Bei Verdacht auf Missbrauch eines Suchtmittels haben die Mitarbeiter das Recht,   Kontrollen durchzuführen.

Rückfälle sind kein Entlassungsgrund, bedürfen aber bestimmter Therapiemaßnahmen.

Bei einem Mehrfachen Verstoß von 2.a, kann eine sofortige Kündigung erfolgen. Die Einrichtung ist dann bis Ende des Monats zu verlassen.

 

Wichtig

Bei der Aufnahme bringen Sie bitte Folgendes mit:

* Ärztliche Bescheinigung, dass sie frei sind von ansteckenden Krankheiten nach dem Infektionsschutzgesetz– vor allem von Lungentuberkulose.

*Abmeldung vom Jobcenter – bei Aufgabe des Wohnsitzes.


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